„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“ (Jesaja 50,10).

Das ist der Monatsspruch für Dezember. Nach dem dunklen November mit seinen Gedenktagen wird es jetzt etwas heller: Lichterschmuck an den Fenstern. Vorfreude liegt in der Luft auf Weihnachten. Da gibt es Melodien oder Geschichten, die verwundete Seelen trösten.

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Eine Frau in meiner früheren hessischen Heimat hat mir dazu ihre persönliche Geschichte erzählt. Es wird inzwischen bald 20 Jahre her sein. Wir hatten im Dezember zum zweiten Mal in Folge zum lebendigen Adventskalender eingeladen. Ganz unterschiedliche Menschen waren an jedem Abend zusammengekommen zum Singen, Beten, Geschichten Hören, Schnacken (ja, „babbeln“ hat man das in meiner früheren Heimat gut hessisch genannt, aber die Sache ist die gleiche!). Besagte Frau war fast jeden Abend mit dabei. Sie war mit ihren 80 Jahren eine der älteren Teilnehmerinnen. Ein Jahr zuvor, zwischen Weihnachten und Silvester, war ihr Ehemann verstorben. Ich bewunderte sie, dass sie sich trotz Dunkelheit und manchmal auch Kälte so oft kam. Als ich sie dann im Januar wieder einmal traf, sprach sie mich und sagte so ungefähr: „Wissen Sie eigentlich, dass mir der Lebendige Adventskalender das Leben gerettet hat?“ Ich sah sie erstaunt an. „Wie meinen Sie?“ „Ich weiß nicht, wie ich sonst den Advent geschafft hätte. Der erste Advent ohne meinen Mann. Diese dunkle Jahreszeit, und alle planen für Weihnachten, aber mir war das Herz voll Kummer! Wenn man dann daheim sitzt und grübelt, wird es nicht leichter. Ich lebte auf diese halbe Stunde Adventskalender jeden Abend hin. Und war dann immer froh: Unter Menschen zu sein. Kinder zu sehen. Lieder mitzusingen. Eine Geschichte zu hören. Diese halbe Stunde tat so gut! Mancher hat mich gesehen und bestimmt den Kopf geschüttelt: da ist erst ihr Mann gestorben, und jetzt treibt sie sich jeden Abend auf dem Adventskalender herum! Aber wissen Sie: Ohne das hätte ich die Adventszeit nicht geschafft!“ –

Wir gehen auf Weihnachten zu. In der dunklen Jahreszeit, wenn die Nächte lang und das Tageslicht kurz ist, feiern wir dieses Fest. Weil Gott kein Dunkel fremd ist. In der Nacht kommt er zur Welt. In der Einfachheit einer Krippe. In der Notdürftigkeit eines Nachtlagers. Bei einem Paar, das nicht einmal verheiratet ist. Mit Hirten, die mit ihren Tieren direkt vom Feld vorbeikommen. Bei dem Kind wird es hell. Ein Stern leuchtet. Engel singen: „Fürchtet euch nicht! Der Heiland ist da.“ Dafür wird Gott Mensch: um Licht zu bringen. Frieden zu geben. Hoffnung zu wecken. Wenn Menschen davon etwas spüren: in den Adventsfeiern und Gottesdiensten. Bei weihnachtlichen Liedern im Radio. Bei einem Besuch oder einem Telefonat. Das wäre ein Lichtblick! Und wenn uns Gottes Liebe, die besonders denen gilt, für die es gerade stockdunkel im Leben ist – wenn uns diese Liebe liebevoller miteinander sein lässt. Uns einen Brief schreiben lässt, nach dem sich jemand verzehrt. Oder ein Geschenk schenken lässt, das jemanden erfreut. Dann wird es noch heller. Und die alten Worte von Jesaja bewahrheiten sich neu: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.“ Meine Familie und ich wünschen Ihnen und Euch allen: Leuchtende, gesegnete Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr! Gott lasse uns füreinander leuchten!

Euer Gerald Rohrmann